Schwammregion vor Ort: Zu Gast bei der Naturparkrangerin
Dem Wasser auf der Spur im Naturschutzgebiet Hölle
Wie bewegt sich Wasser durch eine Landschaft? Welche Spuren hinterlässt es? Und was können wir von natürlichen Strukturen darüber lernen, wie Wasser zurückgehalten und weitergeleitet wird?
Diesen Fragen ging die Schwammregion Vorderer Bayerischer Wald bei ihrer jüngsten Veranstaltung der Praxisreihe „Schwammregion vor Ort – Zu Gast bei …“ gemeinsam mit Naturpark-Rangerin Lea Rutz im Naturschutzgebiet Hölle nach.
Bei einer Führung durch die Hölle gab Lea Rutz spannende Einblicke in die Besonderheiten des Naturschutzgebiets. Dabei ging es unter anderem um den ehemaligen Wildbach, Moose, typische Tierarten, besondere Gesteinsformationen und die Bedeutung von Querbauwerken. Immer wieder richtete sich der Blick darauf, welchen Weg das Wasser durch die Landschaft nimmt, welche Rolle natürliche Strukturen dabei spielen und von welchen Einflüssen diese wiederum abhängen.
Dabei ging es der Rangerin nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern auch darum, die Teilnehmenden für die Zusammenhänge und die eigene Verantwortung zu sensibilisieren. Immer wieder entwickelte sich daraus eine angeregte Diskussion in der Gruppe: Wie leicht ist es, Gründe und Entschuldigungen dafür zu finden, warum etwas nicht möglich ist – und wie viel schwieriger ist es, den Blick auf den eigenen Handlungsspielraum zu richten? Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, ging es darum, sich selbst zu fragen: Welchen Beitrag kann und will ich leisten?
Gerade diese offene und manchmal auch kontroverse Diskussion machte den Abendspaziergang besonders. Lea Rutz gelang es, die Teilnehmenden mitzunehmen und zum eigenen Nachdenken anzuregen, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Landschaft zu gehen.
Im Anschluss an die Führung durfte die Gruppe noch einen ganz besonderen Einblick gewinnen: Elisabeth Sojer-Falter, die Eigentümerin des Hofcafés, öffnete für die Gruppe die im Obergeschoss des rund 300 Jahre alten, beeindruckenden Sannitengebäudes untergebrachte Ausstellung – und das sogar außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Mit viel persönlichem Engagement gab sie Einblicke in diesen besonderen Ort und seine Geschichte.
Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt, wie viel besonderes Wissen und Potenzial in unserer Region steckt. Und sie hat gezeigt, wie viele Menschen es gibt, die uns ihre ganz eigene Perspektive auf Landschaft, Wasser und Natur vermitteln können – und die mit ihrer Begeisterung andere Menschen anstecken.
Genau darin liegt auch ein wichtiger Gedanke der Praxisreihe: Wer Landschaft besser kennenlernt und versteht, entwickelt ganz selbstverständlich ein anderes Verhältnis zu ihr. Aus Verständnis kann Wertschätzung entstehen – und aus Wertschätzung der Wunsch, diese besonderen Lebensräume zu bewahren.
Das passt unmittelbar zur Arbeit der Schwammregion. Denn ein wassersensibler Umgang mit unserer Landschaft beginnt nicht erst bei einer konkreten Maßnahme. Er beginnt damit, genauer hinzuschauen, Zusammenhänge zu verstehen und den Wert natürlicher Strukturen zu erkennen.
Ein herzlicher Dank gilt Lea Rutz für die spannende und anschauliche Führung und Elisabeth Sojer-Falter für die besondere Gastfreundschaft und die Möglichkeit, die Ausstellung im Sannitengebäude außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu besuchen.

