Schwammregion vor Ort: Zu Gast beim Klärwärter
Dem Wasser auf der Spur im Klärwerk Bernhardswald
Was passiert eigentlich mit unserem Wasser? Wir drehen den Wasserhahn auf, duschen, spülen die Toilette oder lassen die Waschmaschine laufen – und danach ist das Wasser einfach weg. Aber wohin verschwindet es eigentlich? Was passiert nach seiner Nutzung? Wie wird es gereinigt?
Bei der Veranstaltung der Praxisreihe „Schwammregion vor Ort – Zu Gast bei …“ ging man am Dienstagabend dieser Frage auf den Grund. Klärwärter Michael Müller nahm die Besucherinnen und Besucher mit in die Kläranlage in Bernhardswald und zeigte dort, was mit unserem Abwasser passiert, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurückkehrt. Die Veranstaltung erklärte dabei nicht nur die Technik, die dahintersteckt, um das Wasser wieder zu „säubern“, sondern lenke den Blick auf etwas darauf, das im Alltag meist unsichtbar bleibt: Wasser ist kein selbstverständliches Endlosprodukt, sondern Teil eines Kreislaufs, mit dem wir unmittelbar verbunden sind.
Eine Kläranlage reinigt das Abwasser aus Haushalten, Industrie und Gewerbe, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf (z. B. in Flüsse oder Seen) zurückgeführt wird. In der Gemeinde Bernhardswald ist dies der Wenzenbach, in den das geklärte Wasser eingeleitet wird. Aber bis es soweit ist, passiert viel mit dem Abwasser. Dieser Reinigungsprozess läuft in der Regel in vier Hauptstufen ab, die mechanische, biologische und chemische Verfahren kombinieren. Lesen Sie dazu auch unten weiter.
Leidenschaftlich klärte Michael Müller auf, führte die Besucher durch „seine“ Kläranlage und gab spannende Einblicke in die einzelnen Klärstufen. Ein besonderes Faible hat er für seine „Bakterien“, die er hegt und pflegt und denen natürlich eine zentrale Rolle bei der Abwasserreinigung zukommt. Die Kläranlage Bernhardswald ist für insgesamt 6300 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt. Derzeit sind 4700 EW ausgeschöpft. Der Einwohnerwert (EW) ist eine Maßeinheit in der Wasserwirtschaft, mit der die Gesamtbelastung einer Kläranlage gemessen wird. Er fasst das tatsächliche Abwasser der Einwohner und das biologisch vergleichbare Abwasser aus Industrie und Gewerbe in einer einzigen Zahl zusammen.
Seit 2001 ist Michael Müller bei der Gemeinde Bernhardswald beschäftigt und nach abgeschlossener Fachausbildung mittlerweile seit vielen Jahren Betriebsleiter der Kläranlage. Dabei betreut er nicht nur die Kläranlage zusammen mit seinem Stellvertreter und einer weiteren Halbtageskraft, sondern auch 14 Pumpstationen und 85 Kilometer Abwasserleitung. Darüber hinaus sei man auch für die insgesamt 25 Regenrückhaltebecken zuständig, die als sogenannete Trockenbecken – auch „Grüne Becken“ genannt, regelmäßig gepflegt werden müssen. Diese Becken sind im Normalfall trocken und oft als Wiese oder Rasenfläche gestaltet. Sie füllen sich nur bei Starkregen temporär mit Wasser.
In den vergangenen Jahren, so Müller, wurde in die zentrale Kläranlage in der Bahnhofstraße in Bernhardswald kontinuierlich investiert. Unter anderem wurde das System mit einer neuen, automatisierten Mess- und Steuerungstechnik für Phosphat-, Ammonium- und Nitratwerte ausgestattet. Auf den Dächern der Kläranlage befindet sich eine große Photovoltaikanlage der Bürgergenossenschaft BERR eG (Bürger Energie Region Regensburg) und sorgt für günstige Strompreise sowie eine umweltfreundliche Eigenstromerzeugung.
Bürgermeister Forian Obermeier betonte die Bedeutung dieser wichtigen Aufgabe des Klärwärters Michael Müller und seinem Team. „Wir betätigen meist nur einen Drücker oder den Wasserhahn und sind uns selten bewusst, was danach folgt. Der ILE-Zweckverandsvorsitzende dankte den knapp 20 interessierten Teilnehmern und auch der Schwammregionsmanagerin Tina Heigl für die Organisation der Veranstaltung. Mit dieser wurde deutlich, wie eng unser alltäglicher Umgang mit Wasser mit den natürlichen Wasserkreisläufen verbunden ist. Und welche lange Strecke das Wasser zurücklegt, bis es nach der Nutzung möglichst sauber wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird.
Die Klärstufen
1. Die mechanische Reinigung (1. Reinigungsstufe): In dieser ersten Phase werden alle groben und unlöslichen Stoffe rein physikalisch aus dem Abwasser entfernt.
Rechen- und Siebanlagen: Das Abwasser fließt durch grobe und feine Rechen. Sie halten Toilettenpapier, Hygieneartikel, Feuchttücher, Steine und Holz zurück. Gerade Feuchttücher bereiten dabei große Probleme, da sie sich gerne um die Förderschnecken wickeln und diese dabei oft auch „lahmlegen“. Das verursacht nicht nur unangenehme Handarbeit, sondern auch Kosten, da dabei schon einmal Teile kaputt gehen. Und die erhöhen die Abwassergebühren für alle! Wichtig: Feuchttücher gehören in den Restmüll und nicht in die Toilette.
Sandfang: In einem langgestreckten Becken verringert sich die Fließgeschwindigkeit. Schwere Partikel wie Sand, Kies oder Glassplitter sinken zu Boden und werden im Fall von Bernhardswald ausgewaschen. Übrig bleibt sauberer Sand. Das Wasser zum „Auswaschen“ wird in Bernhardswald übrigens im Bereich der Anlage selbst gefördert, somit werden auch hier Ressourcen gespart.
Vorklärbecken: Hier fließt das Wasser noch langsamer. Organische Stoffe (wie Fäkalien), die schwerer als Wasser sind, setzen sich als sogenannter Primärschlamm am Boden ab. Stoffe, die leichter als Wasser sind (wie Fette und Öle), schwimmen oben und werden an der Oberfläche abgezogen.
2. Die biologische Reinigung (2. Reinigungsstufe): Nach der mechanischen Reinigung ist das Wasser optisch klar, enthält aber noch massenhaft unsichtbare, gelöste organische Schadstoffe. Hier kommen Mikroorganismen zum Einsatz.
Belebungsbecken: Das Wasser wird in dieses Becken geleitet, in dem Milliarden von Bakterien und Einzellern leben. Durch das Einblasen von Sauerstoff (Belüftung) werden die Bakterien angeregt, die organischen Schmutzstoffe als „Nahrung“ aufzufressen und abzubauen.
Nachklärbecken: Die Bakterien verbinden sich zu sichtbaren Flocken (Belebtschlamm). Im Nachklärbecken sinkt dieser Schlamm zu Boden. Ein Teil des Schlamms wird zurück ins Belebungsbecken gepumpt, der Rest geht in die Schlammbehandlung.
3. Die chemische Reinigung (3. Reinigungsstufe): Diese Stufe dient vor allem der Entfernung von Nährstoffen wie Phosphaten und Nitraten. Zu viele dieser Stoffe würden in Flüssen und Seen zu übermäßigem Algenwachstum und Sauerstoffmangel führen.
Fällung: Dem Wasser werden chemische Mittel (Flockungsmittel wie Eisen- oder Aluminiumsalze) zugesetzt. Diese binden die gelösten Phosphate, sodass sie unlösliche Flocken bilden. Diese Flocken sinken ebenfalls zu Boden und werden mit dem Schlamm entfernt.
4. Die weitergehende Abwasserreinigung (4. Reinigungsstufe): Moderne Kläranlagen werden heute um eine vierte Stufe erweitert, wie Müller ausführt. In Bernhardswald wird diese Reinigungsstufe noch nicht angewandt. Sie würde Mikroverunreinigungen wie Rückstände von Medikamenten, Pestizide und Chemikalien oder Mikroplastik herausfiltern, die in den ersten drei Stufen nicht abgebaut wurden. Hierfür werden meist Aktivkohlefilter (die Schadstoffe lagern sich an der Kohle an) oder Ozonierungsanlagen (Ozon zerstört die chemischen Verbindungen) eingesetzt.
Und was passiert mit dem Klärschlamm?
Der gesammelte Klärschlamm wird gepresst – dabei wird Wasser entzogen – und in den Sommermonaten an Landwirte abgegeben, die damit ihre Äckerböden düngen. Da jeder Schritt streng kontrolliert und überwacht wird, ist dies kein Problem. Jede Klärschlammabgabe wird beim Landesamt für Umweltschutz übrigens angemeldet und genehmigt. In den Wintermonaten muss der Klärschlamm allerdings kostenpflichtig entsorgt werden. Hierbei fallen zwischen 3000 und 5000 Kubikmeter Klärschlamm nur in den Wintermonaten an. Die Entsorgung – meist wird der getrocknete Schlamm verbrannt – kostet die Gemeinde ca. 100.000 Euro! Außerhalb der zentralen Abwasserversorgung können in der Kläranlage auch die etwa 300 Kleinkläranlagenbesitzer in der Gemeinde ihren Klärschlamm abliefern.
Der Klärschlamm wird manchmal auch in riesige, meist eiförmige Faultürme (Beispiel Regensburg im Osten Kreuzhof/Ostenviertel) gepumpt. Unter Ausschluss von Sauerstoff bauen spezielle Bakterien den Schlamm bei ca. 37 °C ab. Dabei entsteht Klärgas (Methan). Dieses Gas wird in Blockheizkraftwerken verbrannt, um Strom und Wärme für den Eigenbedarf der Kläranlage zu erzeugen. Der restliche, getrocknete Schlamm wird meist verbrannt.


